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Klimakrise - Die Welt hat Fieber

Klimaschutz geht uns alle an

Das Verbrennen von Kohle, Gas und Öl erzeugt klimaschädliches Kohlendioxid, das die Erde immer stärker aufheizt. Derzeit ist es auf der Erde schon durchschnittlich 0,85 Grad wärmer als vor der industriellen Revolution und das laufende Jahr 2015 wird wohl das wärmste jemals gemessene Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Die Folgen der Klimakrise sind bereits heute deutlich spürbar. Extremwetterereignisse setzen dem Mensch, der Umwelt und auch der Wirtschaft zu. Hitzewellen, Überschwemmungen und Stürme führen bereits zu Ernteausfällen, verwüsten ganze Landstriche und richten gewaltige wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe an. Steigende Meeresspiegel bedrohen zudem Küstenregionen und ganze Städte. Die Klimakrise treibt Millionen Menschen in die Flucht, weil sie Ihre Lebensgrundlage verloren haben.

Um das Schlimmste zu verhindern müssen wir es schaffen, den globalen Temperaturanstieg auf allerhöchstens zwei Grad zu begrenzen. Dafür müssen wir unsere Emissionen an Treibhausgasen bis zur Mitte des Jahrhunderts auf nahezu Null absenken. Dieses Ziel können wir erreichen, wenn wir den Klimaschutz als Querschnittsaufgabe begreifen und jetzt in allen Lebens-, Wirtschafts- und Politikbereichen die notwendigen Weichen stellen. Wir wissen, Nichthandeln wird teurer als Handeln.

Doch zur Bewältigung der Klimakrise geht es uns um weitaus mehr als den überwiegenden Teil der weltweiten Vorräte an Kohle, Öl & Gas im Boden zu lassen. Wir wollen Gesellschaft und Wirtschaft umfassend ökologisch modernisieren und damit aufstellen im globalen Wettbewerb um die Technologien von morgen.

In unserem Social-Media-Liveblog verfolgen wir die Entwicklungen auf der UN-Klimakonferenz (#COP21) in Paris.

Klima im Alltag schützen

Mehr als die Hälfte der Treibhausgasemissionen in Deutschland entstehen in den privaten Haushalten. Schon durch moderate Veränderungen können oft 10 – 15 Prozent an CO2 eingespart werden. Hier die wichtigsten Stellschrauben für eine bessere persönliche Klimabilanz.

Klimaschutz hat viele Facetten

Die Aspekte von Klimaschutz im Überblick

Klima und Energie
Kohlekraftwerk in Gelsenkirchen (Foto: picture alliance / AP Photo)

Die Energiewirtschaft ist für 40 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich. Damit das Klimaziel von 40 Prozent Reduktion bis 2020 doch noch erreicht werden kann, muss dieser Sektor wesentlich mehr tun. Die von der Regierung verordneten und ohnehin mickrigen zu erbringenden 22 Millionen Tonnen CO2 reichen da bei weitem nicht aus. Schlimmer noch: selbst das schafft die Branche nicht. Sie hat Wirtschaftsminister Gabriel auf 12,5 Millionen Tonnen runter gehandelt. Und dafür bekommen RWE und CO. noch über 1,6 Milliarden Euro geschenkt – auf Kosten der Stromkunden. Dafür, dass sie genau diejenigen Kraftwerke in Frührente schicken, die ohnehin um 2020 stillgelegt worden wären. Das Klima hat damit so gut wie nichts gewonnen, die Energiewirtschaft drückt sich wieder um ihre Verantwortung. Im Gegenteil: wenn der neue Modus Schule macht, hält die Wirtschaft jetzt bei jeder neuen Regulierung zugunsten des Klimas und der Menschen die Hand auf. Damit hat Sigmar Gabriel dem Primat der Politik einen Bärendienst erwiesen. Was wir dagegen dringend brauchen, ist der schnell Einstieg in den Kohleausstieg.

Klima und Flucht

Jedes Jahr werden bereits heute mehrere Millionen Menschen weltweit durch Hochwasser, Meeresspiegelanstieg, Wetterextreme, Dürren, Stürme und Hitzewellen gezwungen, ihre bisherige Heimat zu verlassen. Die meisten Menschen fliehen innerhalb des eigenen Landes, Fluchtpunkt sind meist die Megacities des globalen Südens. Auch auf gewalttätige Konflikte um Ressourcen, Lebensraum, Wasser und auf soziale Ungleichheit wirkt die Klimakrise wie ein Brandbeschleuniger. Die internationale Organisation für Migration (IOM) geht in ihren mittleren Szenarien von über 200 Millionen Klimaflüchtlingen bis 2050 aus. Die Klimakrise – die vor allem von den Industrienationen verursacht wurde – gefährdet damit die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Rechte besonders verwundbarer Bevölkerungsgruppen im globalen Süden.

Während die Industrieländer für fast 80 Prozent der CO2-Anreicherung in der Atmosphäre verantwortlich sind, tragen die ärmsten Länder 80 Prozent der dadurch entstandenen und entstehenden Schäden. Der Umgang mit der Klimakrise ist darum eine globale Gerechtigkeitsfrage. Die Länder, die dafür die geringsten Kapazitäten haben, brauchen deshalb Unterstützung für die Klimaanpassung und die Bewältigung der Folgen des Temperaturanstieges. Und: Menschen, die wegen der Klimakrise fliehen müssen, brauchen besseren rechtlichen Schutz.

Menschen flüchten durch die Wüste Iraks vor ISIS (Foto: picture alliance / abaca)
Klima und Entwicklungszusammenarbeit

Menschen in Entwicklungsländern sind am stärksten von der Klimakrise betroffen, haben aber am wenigsten dazu beigetragen. Während die Industrieländer für fast 80 Prozent der CO2-Anreicherung in der Atmosphäre verantwortlich sind, tragen die ärmsten Länder 80 Prozent der dadurch entstandenen und entstehenden Schäden. Der Umgang mit der Klimakrise ist darum in erster Linie eine globale Gerechtigkeitsfrage.

Die Staatengemeinschaft muss ihre Zusage einlösen und ab 2020 100 Milliarden Dollar jährlich für den globalen Klimaschutz und 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für die globale Entwicklung zur Verfügung stellen. Deutschland muss dazu seinen Beitrag leisten und jährlich 1,2 Milliarden Euro mehr in eine nachhaltige und effektive Entwicklungsfinanzierung sowie 500 Millionen Euro mehr in internationale Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen investieren. Auch eine faire Lösung für den Umgang mit Schäden und Verlusten (Loss & Damage) muss entwickelt werden.

Foto: picture alliance / Photoshot
Klima und Wirtschaft
Foto: picture alliance / dpa

Grüne Wirtschaftspolitik folgt einem einfachen Leitgedanken: Wir müssen unser Wirtschaften mit den ökologischen Grenzen unseres Planeten in Einklang bringen.

Mit der Abschlusserklärung zum diesjährigen G7-Gipfel in Elmau haben sich die führenden Industrienationen zur Notwendigkeit eines nachhaltigeren Entwicklungspfades bekannt. Diesen Worten müssen nun Taten folgen. Wir Grüne waren und sind die treibende Kraft, die dafür sorgt, dass aus Gipfelbeschlüssen auch tatsächlich Veränderungen werden.

Wir zeigen, wie es geht. Durch ehrgeizige aber planbare Vorgaben wollen wir für die Wirtschaft und mit der Wirtschaft einen geordneten Pfad beschreiten, bevor die Entwicklung uns wie ein Tsunami überrollt und die Anpassungsprozesse chaotisch, konflikthaft und gefährlich werden. Deswegen arbeiten wir an einem neuen Wohlstandsmaß. Deswegen sorgen wir dafür, dass die Preise zunehmend die ökologische Wahrheit sagen und investieren in Klimaschutz. Deswegen setzen wir ambitionierte Grenzwerte, CO2-Reduktionsziele und Produktstandards, die in realistischen Zeiträumen erreicht werden müssen.

Immer mehr Unternehmen zeigen, dass und wie nachhaltiges Wirtschaften geht. Wir sorgen für faire Spielregeln im Wettbewerb um nachhaltige Lösungen.

Klima und Verkehr

Die CO2-Emissionen aus dem Verkehr sind ein wesentlicher Treiber der Klimakrise. Die Zukunft der Mobilität ist grün – klimafreundlich, vernetzt und fährt auf Basis erneuerbarer Energien. Bahnen, ÖPNV, Radfahren und Carsharing greifen ineinander. Mobile Menschen wählen aus Möglichkeiten aus – die Autofahrt ist nur noch eine Alternative von vielen. Deutschland braucht einen neuen Ansatz in der Mobilitätsplanung, den Bundesnetzplan. Deutschland braucht ein zukunftsfähiges Konzept für den Schienenverkehr. Wir Grüne im Bundestag wollen attraktiven Nahverkehr, eine grüne ÖPNV-Offensive. Deutschland und seine Automobilindustrie müssen auf das grüne Auto setzen. Deutschland sollte sich auf mehr Radverkehr setzen und Fahrradfahren sicherer machen.

Foto: picture alliance / dpa Themendienst
Klima und Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist beim Klimawandel Täter und Opfer zugleich. Rund ein Drittel aller klimaschädlichen Gase gehen weltweit auf ihre Kosten. Gleichzeitig leiden Bäuerinnen und Bauern unter den Dürren, den Starkregen und den Stürmen, die die Klimakrise mit sich bringt.
Eine umweltfreundliche Landwirtschaft kommt ohne all das aus, was die Klimabilanz nach oben treibt. Sie arbeitet ohne Überdüngung. Sie strebt nicht danach, möglichst viele Tiere auf eine begrenzte Fläche zu zwängen und Wälder für den Anbau von Futtermitteln abzuholzen. Und sie erhält wertvolle Wiesen, Weiden und Moore als wichtige CO2-Speicher.

Die Rahmenbedingungen für eine solche Landwirtschaft zu setzen, ist Kernanliegen grüner Politik: Indem wir die Tierhaltung in Deutschland wieder an die Fläche binden, den Ökolandbau fördern und Agrarsubventionen endlich an Leistungen binden.

Klima und Kommunen

Klimaschutz geht die Kommunen an – und sie können viel tun. Die Lebensqualität in den Städten und Gemeinden steigt, wenn die Belastung durch PKWs sinkt und die Menschen mit Bus, Bahn oder mit dem Fahrrad unterwegs sind. Die Lebensqualität steigt, wenn Städte und Gemeinden grün werden durch Parks, grüne Uferbereiche, Gärten auf den Dächern der Häuser. Kinder wachsen gesund auf, wenn sie in Kitas spielen und in Schulen lernen können, die mit ökologischen, nachwachsenden Baustoffen gebaut wurden. Stadtviertel, die energetisch optimiert sind, erhöhen die Lebensqualität der dort Wohnenden. Stadtwerke, die auf selbst produzierte erneuerbare Energien setzen und ihre Energienetze wieder selbst betreiben, schaffen nicht nur Arbeitsplätze vor Ort, sondern spülen Gelder in die klammen kommunalen Kassen. So können Städte wieder attraktive kulturelle, soziale oder sportliche Angebote für ihre BürgerInnen finanzieren. Klimaschutz vor Ort schafft Lebensqualität.

Klima und Gesundheit

Die Klimakrise hat schon jetzt – und erst recht in Zukunft – Einfluss auf unsere Gesundheit. Durch den Klimawandel werden gesundheitliche Beschwerden wie Rheuma, Asthma, Migräne aber auch Gefäßerkrankungen deutlich zunehmen. Die Zahl in unseren Breiten bislang seltener Infektionserkrankungen kann ansteigen. Überdies geht selbst die Bundesregierung von einer drei- bis fünffach erhöhten Todesrate durch klimabedingte Hitzewellen aus. Die Lancet-Kommission zu Gesundheit und Klimawandel warnt vor diesem Hintergrund in ihrem aktuellen Bericht eindringlich vor den Folgen der Klimakrise.

All dies zeigt: Unsere Gesundheit würde von wirksamem Klimaschutz profitieren. So könnten durch den Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohleverstromung und eine bessere Luftqualität zahlreiche Atemwegserkrankungen vermieden werden. Auch das Gesundheitswesen selbst kann und muss mehr für den Klimaschutz und die Beschäftigung mit dem Klimawandel tun, beispielsweise durch Senkung des Energieverbrauchs in Krankenhäusern oder ein stärkeres Engagement in der klimabezogenen Gesundheitsforschung.

Klima und Artenvielfalt

Jeder kennt den Spatz, doch er ist massiv vom Klimawandel bedroht und könnte in unseren Breiten bald nicht mehr zu finden sein. Viele Arten, besonders diejenigen, die auf spezielle Ökosysteme und Umweltbedingungen spezialisiert sind, werden durch den Klimawandel in ihrer Existenz bedroht. Ihr Lebensraum geht verloren, Wachstums- und Entwicklungsprozesse geraten aus dem Gleichgewicht und ihr Verbreitungsgebiet schrumpft. Weniger anspruchsvolle Arten können möglicherweise vom Klimawandel profitieren und sich stärker ausbreiten. Dazu kommen nicht-heimische, an Hitze und Trockenheit angepasste Arten, die auf Grund steigender Temperaturen hier Fuß fassen und die heimische Flora und Fauna verdrängen. Die Veränderung in der Artenzusammensetzung der Ökosysteme wird direkte Auswirkungen für den Menschen haben, wenn gewisse Ökosystemdienstleistungen (wie zum Beispiel Hochwasserschutz, Hangbefestigung, Wasserspeicher und -filter etc.) nicht mehr erbracht werden können.

Foto: picture alliance / maxppp
Klima und Wasser
Foto: picture alliance / dpa

Die Auswirkungen der Klimakrise auf unseren Wasserhaushalt und die Gewässer sind bereits heute vielerorts spürbar. Die Sommer werden trockener, die Winter feuchter und milder. Ereignisse wie die Hochwässer in den Jahren 2002 und 2013 oder die europaweite Hitzewellen der Jahre 2003 und 2013 zeigen auf, mit welchen Szenarien in Zukunft gerechnet werden muss.

Viele offizielle Stellen, Verbände und Firmen beschäftigen sich heute schon mit den Folgen und versuchen diese so weit wie möglich zu minimieren. Sei es für die Bereitstellung von ausreichend sauberen Wasser, bei der Anpassungen der Schifffahrt und von Kühlsystemen oder bei steigenden Anforderungen an den Hochwasserschutz. Eines ist klar: Diese Anpassungen Kosten viel Geld und können nicht alle Folgen der Klimakrise verhindern. So kann die Grundwasserneubildung durch verminderte Niederschläge nachlassen. Auf der anderen Seite können Hochwässer zu Verschmutzungen durch Altlasten führen.

Klar ist aber auch, die Folgen der Klimakrise sind nicht überall gleich. Sie unterscheiden sich in unserem Land von Region zur Region. Während es in einer Region zum mehr Trockenphasen kommen wird, werden andere sich an vermehrten Starkregen-Ereignisse anpassen müssen.

Klima und Sport

Auch der Sport darf beim Klimaschutz nicht abseits stehen. Wir setzen uns dafür ein, dass große Sportevents klimafair, naturverträglich und umweltfreundlich gestaltet werden. Sie dürfen nicht zu einer Erhöhung des globalen Treibhauseffektes führen. Golfplätze in trockenen Gegenden und Skigebiete, die rundum künstlich beschneit werden, müssen ebenso der Vergangenheit angehören wie olympische Winterspiele weit ab von den eigentlichen Wintersportgebieten. Gerade die Bau- und Verkehrskonzepte für Sportgroßereignisse sind stark verbesserungswürdig. Die frühzeitige Einbindung und Expertise von Umweltverbänden ist dabei ein entscheidender Beitrag für ein überzeugendes Umweltkonzept von Großveranstaltungen. Auch größere Vereine können durch die Gestaltung ihrer Vereinsgelände – mehr grün, Solarzellen auf dem Dach – oder ihrer Fahrpraxis (öffentlicher Personennahverkehr statt Autos) viel für ein besseres Klima tun.

Foto: picture alliance / Bildagentur Huber